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Bielefeld

Untersuchung von Heilpflanzen: Vier Jahre weitere Förderung für kamerunisch-deutsches Forschungsnetzwerk

Themenbild: Pixabay

Bielefeld. Rund 200 traditionell genutzte Heilpflanzen haben Forschende der Yaoundé-Bielefeld Graduate School (Graduiertenkolleg Yaoundé-Bielefeld, YaBiNaPA) seit 2016 gesammelt, zu mehr als 600 Extrakten verarbeitet und systematisch auf ihre Wirkung untersucht.

Mit Erfolg: Sie konnten belegen, dass mehr als 400 der Pflanzenextrakte gegen Bakterien wirken und dass 70 Extrakte gegen Parasiten wie etwa Plasmodien wirken, die Malaria auslösen können. Jetzt wird das Gra- duiertenkolleg für weitere vier Jahre bis 2025 gefördert. Der Deutsche Akademische Austausch- dienst (DAAD) unterstützt das Forschungsnetzwerk mit 2,25 Millionen Euro mit Mitteln des Bun- desministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ).

Für die Fortsetzung des Projektes kooperieren die Universität Bielefeld als deutscher Partner und die Universität Yaoundé I als kamerunischer Partner mit sieben Universitäten und zwei For- schungsinstituten in Kamerun. Koordiniert wird das Graduiertenkolleg von den beiden Chemikern Professor Dr. Norbert Sewald von der Universität Bielefeld und Professor Dr. Bruno Lenta von der Universität Yaoundé I.

„Der Großteil der kamerunischen Bevölkerung vertraut auf die traditionelle afrikanische Medi- zin, die sehr reich an pflanzlichen Präparaten ist”, sagt Norbert Sewald. Das liege auch daran, dass synthetisch hergestellte Arzneien vergleichsweise teuer sind. Das Graduiertenkolleg soll daher mit seiner Forschung eine Basis dafür schaffen, günstige und sichere Medikamente auf Pflanzenbasis herzustellen.

Um dieses Ziel zu erreichen, bringt das Graduiertenkolleg YaBiNaPA führende kamerunische Experten der Naturstoffforschung in Yaoundé zusammen. Seit der Gründung 2016 habe 20 kamerunische Doktoranden an dem Graduiertenkolleg zu Wirkstoffen aus Heilpflanzen geforscht. Unterstützt wurden sie dabei außer von den Leiter*innen der Teilprojekte auch von Gastpromovierenden anderer kamerunischer Universitäten und 13 Gastpromovierenden aus weiteren afrikanischen Ländern. Bisherige Ergebnisse haben die Doktorand*innen in 24 Artikeln in internationalen Forschungsmagazinen wie dem Journal of Natural Products oder den Phyto- chemistry Letters veröffentlicht. In der ersten Förderphase waren zwölf Doktorand*innen, zwei Postdoktorand*innen und zehn Projektleiter*innen des Graduiertenkollegs an der Universität Bielefeld zu Gast. „Wir verfügen hier in Bielefeld über spezielle Analysegeräte zur Aufklärung der molekularen Struktur von Naturstoffen, die bislang in Yaoundé nicht verfügbar sind“, berichtet Sewald. „So konnten die Kolleg*innen aus Kamerun bei ihren Forschungsaufenthalten hunderte von Proben in kürzester Zeit auswerten.“

Präparate gegen Typhus und Pilzinfektionen entwickelt

Die 600 Extrakte, die die Forschenden aus Chemie, Biologie und Pharmazie bislang aus den Heil- pflanzen gewonnen haben, haben sie nicht nur auf ihre Wirkung gegen Krankheitserreger unter- sucht. Sie haben aus den Extrakten zusätzlich einzelne Naturstoffe isoliert. So können sie analy- sieren, welche Moleküle die medizinische Wirkung erzeugen. „Erste Forschungsergebnisse wer- den schon praktisch genutzt“, sagt Sewald. So konnte aus einem einheimischen Baum ein Sirup gewonnen werden, der gegen Typhus wirksam ist. „In dem Graduiertenkolleg wurden darüber hinaus beispielsweise Seifen und Cremes hergestellt, die Pilzinfektionen bekämpfen.“
Der kamerunische Koordinator des Graduiertenkollegs, Professor Dr. Bruno Lenta, sieht außer- dem die Qualifikation der Doktorand*innen als Erfolgsfaktor. „Durch ihre eigene Forschung und die Zusammenarbeit mit renommierten Fachleuten aus der Naturstoffforschung werden die Doktorand*innen selbst zu Expert*innen für Medikamente aus Heilpflanzen. Sie bauen sich ein professionelles Netzwerk auf“, sagt Lenta. „Und das kann langfristig sogar dazu führen, dass sie eigene Unternehmen gründen, um ihre Entwicklungen auf den Markt zu bringen.“

Zusätzliche Partnereinrichtungen im Forschungskonsortium

Bislang arbeiteten neben den Universitäten Bielefeld und Yaoundé Wissenschaftler drei weiterer Universitäten am Graduiertenkolleg YaBiNaPA mit. Ab diesem Jahr gehören dem Gra- duiertenkolleg 15 Projektleiter*innen von der Universität Yaoundé an, außerdem zwölf Wissen- schaftler*innen kamerunischer Universitäten und Forschungsinstitute, die die Forschung und Ausbildung der Doktorand*innen unterstützen.

In der zweiten Förderphase von 2021 bis 2025, werden wieder 20 Doktoranden in dem Gradu- iertenkolleg ausgebildet und durch Stipendien gefördert. Jedes Jahr werden zusätzlich zehn Sti- pendien über sechs Monate an Gastdoktoranden aus Kamerun und weiteren afrikanischen Ländern vergeben. Außerdem reisen jährlich sechs Mitglieder des Graduiertenkollegs für For- schungsaufenthalte zwischen sechs und elf Monaten nach Bielefeld.

Langfristig soll das Graduiertenkolleg YaBiNaPA zu einem Exzellenzzentrum für Naturstofffor- schung und Phytomedizin in Afrika ausgebaut werden. Der Name YaBiNaPA steht für „Natural Products with Antiparasite and Antibacterial Activity“ (Naturstoffe mit antiparasitärer und an- tibakterieller Wirkung). Das Graduiertenkolleg wird im Sinn der Ziele für nachhaltige Entwick- lung (Sustainable Development Goals, SDG) gefördert, die von den Vereinten Nationen (UN) de- finiert wurden und 2016 in Kraft traten. Die SDG sollen dazu beitragen, dass sich Staaten welt- weit ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltig entwickeln. Heilpflanzen gelten als wichtige Bioressource mit hohem kulturellen und ökonomischen Potential. Ihre Erforschung wird als ein Mittel angesehen, um den wirtschaftlichen Aufstieg von Entwicklungsländern maßgeblich und nachhaltig voranzutreiben.

Für das Graduiertenkolleg YaBiNaPA kooperieren die Universitäten Bielefeld und Yaoundé I mit folgenden kamerunischen Partnereinrichtungen: Institute of Medical Research and Medicinal Plant Study (IMPM) in Yaoundé, Centre Pasteur du Cameroun in Yaoundé sowie den Universitä- ten in Dschang, Douala, Bamenda, Maroua und Ngaoundéré. Der Deutsche Akademische Aus- tauschdienst (DAAD) fördert YaBiNaPA über sein Programm für bilaterale Graduiertenkollegs.

PM/Universität Bielefeld

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